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Es gab so viele Menschen, die mir für den nächsten Schritt die Hand gereicht haben!

Malgorzata Bachta ist Lehrerin an der Mitterfelder Akademie für Pflegeberufe. Dort ist sie vor allem als Klassenleiterin des GPH-Kurses tätig und zudem für die Praxisbegleitung der jungen Schülerinnen und Schüler zuständig. Mit dieser Tätigkeit hat sich für sie ein Traum erfüllt – ein Traum, den zu träumen sie sich anfangs gar nicht getraut hatte.
„Am Anfang“ bedeutet hier: als sie mit 19 nach Deutschland kam. Sie stammt aus dem südlichen Teil von Polen, ihr Mann hatte in Deutschland Arbeit – und sie folgte ihm. Sie war damals dabei, Mutter zu werden und von Deutsch hatte sie keine Ahnung. Auch beruflich hatte sie noch nicht so recht Fuß gefasst. Also: Start bei Null.
Weil es vielen Schülerinnen und Schülern an der Mitterfelder Akademie recht ähnlich geht, wenn sie hier ankommen, hat Fr. Bachta ein ganz besonders offenes Ohr für die jungen Leute. Aber der Reihe nach, ihr eigener Weg war mühsam, von Selbstzweifeln geplagt und am Ende doch erfolgreich.
„Es ging schon mit der Sprache los, Deutsch ist mir schwergefallen, aber damit ich schnell lerne, haben wir in unserer neuen Heimat, damals in Aichach, grundsätzlich kein polnisches Fernsehen geschaut, sondern nur deutsches.“ Deutsch zu verstehen hat sie also recht schnell geschafft, aber sich selbst auszudrücken….und dann auch noch die Sorge, man könnte sich mit Grammatikfehlern oder Akzent fürchterlich blamieren….Fr. Bachta langt sich heute noch an den Kopf, wenn sie zurückblickt. Aber sie lacht dabei.
Völlig verrückt war auch die Erfahrung mit ihrer noch in Polen  geborenen kleinen Tochter: Wie schnell die im Kindergarten Deutsch gelernt hat, davon kann man als Erwachsener nur träumen.
Also, das Kind war gut untergebracht, Zeit, sich um das eigene Vorankommen zu kümmern. „Überall, wo ich mich für irgendwas angemeldet habe, musste ich als Beruf „Hausfrau“ angeben. Das war mir mit 19 entschieden zu wenig,“ sagt sie. Aichach ist ein sehr netter Ort, aber für den Aufbau einer Berufslaufbahn nicht ganz so geeignet. So verschlug es die kleine Familie in den Landkreis Fürstenfeldbruck. In der Nähe, in München, befindet sich zudem das Netzwerk „Donna Mobile“, eine zertifizierte Bildungseinrichtung für Berufe im Gesundheitswesen. Und spezialisiert darauf, Frauen mit Migrationshintergrund zu fördern, damit sie hier Fuß fassen können. Nach diversen Praktika in Altenpflege und Hauswirtschaft und nach vielen Stunden auf der Schulbank dann das erste Zertifikat. „Das war für mich der erste Schritt zur Anerkennung, auf dem konnte ich aufbauen,“ erzählt sie. Es folgte eine dreijährige Ausbildung bei der AWO. Und weitere Fortbildungen.
Seither waren 13 Jahre vergangen, und Fr. Bachta vergleicht sich mit den Schülern, die sie heute unterrichtet: „Ich hatte einen Mann, der mich unterstützt; ich hatte mein Kind, um das ich mich gekümmert und das ich integriert habe. Ich hatte also wesentlich mehr Zeit und Rückhalt, hier in Deutschland anzukommen, als die Schülerinnen und Schüler, die ich inzwischen unterrichte. Das ist schon eine Wahnsinns-Situation, in welche die jungen Leute da kommen. Auch wenn sie zu Beginn viel besser Deutsch können als ich damals.“
Lehrerin an der Akademie ist sie seit Herbst 25 – eine Kollegin, die aus privaten Gründen nach Augsburg gezogen ist, hat sie ins Gespräch bei der Schulleitung gebracht. Und dann erzählt Fr. Bachta etwas, was sie von jeder ihrer Lebensstationen erzählt: „Ich hatte schon Lust, aber gleichzeitig auch so große Zweifel, ob ich mich da nicht völlig blamiere. Aber eigentlich wollte ich.“ Und die Schulleitung wollte auch, sie bekam die Stelle.
Auch ihr Mann hat sie bei ihrem langen Weg des An- und Vorankommens in  Deutschland immer wieder unterstützt, wie sie erzählt.
Und nun steht sie regelmäßig vor einer Klasse mit inzwischen 23 Schülerinnen und Schülern. Wer hätte das mal gedacht? „Ich will das gut machen, deshalb bastle ich oft an Wochenenden an Präsentationen mit dem Lehrinhalt.“ Sie sagt, man müsse da immer einen guten Weg finden zwischen einfacher Sprache für die, die noch nicht so fit in Deutsch sind und die, die es schon sehr gut können.
„An der Schule gefällt mir, dass wir ein junges, modernes und dynamisches Team sind. Ich habe sehr viel Unterstützung und Beratung erfahren. Und ich habe das Gefühl, dass jede Lehrkraft sehr viel dafür tut, dass die jungen Leute in Deutschland nicht nur Fuß fassen, sondern auch wirklich gute Fachkräfte werden,“
Es ist nicht immer leicht, am Ball zu bleiben, Fr. Bachta kennt sie Selbstzweifel nur zu gut. Sie gibt deshalb gerne das Motto einer ihrer eigenen Ausbilderinnen weiter: „Wenn du die Leiter hochwillst, dann geh immer nur eine Sprosse und versuche nicht, mehrere auf einmal zu nehmen.“
Immer wieder beschreibt sie ihre Motivation: „Ich bin dankbar allen, die mich in all den Jahren in Deutschland begleitet haben. Es gab viele Hände, die mir über die nächste Brücke geholfen haben. Und das will ich jetzt auch für andere tun.“
Zur Schule und über die „Mitterfelder“ sagt sie: „Man hat das Gefühl, hier willkommen zu sein.“