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Neustart mit frischem Elan: Die neue Leitung der Mitterfelder Akademie

Sie ist eine der größten Pflegeschulen in München und hat unter der Führung der bisherigen Schulleiterin Anita Götzer und ihrem Team jahrelang einen kontinuierlichen Aufstieg erlebt: die Mitterfelder „Akademie für Pflegeberufe“. 

Seit Frau Götzer im Sommer 2025 in den wohlverdienten Ruhestand gegangen ist, hat ein junges Trio mit großem Elan die Leitung der Schule übernommen. Wie es Verena Dappa, Andreas Kiermaier und Corinna Müller dabei geht, was ihren Job und die Akademie ausmacht, welche Aufgaben anliegen und warum die „Mitterfelder“ auch hier einfach anders sind, erzählen sie in diesem Interview.

Sie könnten nicht unterschiedlicher sein – und genau das begreifen die drei als ihren großen Vorteil: Andreas Kiermaier ist erst seit Januar 2025 bei den Mitterfeldern. Er hat Lehramt studiert, sich dann jedoch der IT zugewandt und Führungsaufgaben in verschiedenen Einrichtungen übernommen.

Corinna Müller ist Gesundheits- und Krankenpflegerin mit akademischen Abschlüssen in Pflegepädagogik sowie Erziehungswissenschaften und Bildungsforschung. Seit 2023 ist sie bei den Mitterfeldern tätig.

Verena Dappa ist seit 2017 an der Akademie, begonnen hat sie als praxisbegleitende Lehrerin. 2021 wurde sie stellvertretende Schulleiterin. Auch sie ist examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und hat zudem ein duales Pflegestudium absolviert.

Alle drei verfügen über ein solides Wissensfundament, ergänzt durch umfangreiche praktische Erfahrung. Um die Aufgaben klar zu strukturieren, haben sie drei zentrale Themenbereiche definiert, für die jeweils eine Person verantwortlich ist: „Prüfungsmanagement“, „Stunden- und Lehrplanung“ sowie „allgemeine Führungsaufgaben“. Hinzu kommen – das haben die drei inzwischen gelernt – täglich neue kleine und große Herausforderungen. Dazu zählen Unterrichtsbesuche ebenso wie die vielfältigen Anliegen von Lehrkräften und Auszubildenden, die von fachlichen Fragen bis hin zu persönlichen Belastungssituationen reichen können.

Zu den großen fachlichen Themen gehört aktuell die 2020 eingeführte generalistische Pflegeausbildung, die Kinderkrankenpflege, Altenpflege und klassische Krankenpflege zu einem Berufsbild zusammengeführt hat. Diese wird inzwischen bundesweit ausgewertet, um Verbesserungsbedarf zu identifizieren. Auch die Mitterfelder haben ihre Erfahrungen dokumentiert und warten nun darauf, welche Anpassungen gefordert werden. Diese können weitreichende Folgen haben, etwa wenn Lehrinhalte verändert und entsprechende personelle Ressourcen angepasst werden müssen.

Ein weiteres Thema ist die geplante 18-monatige Ausbildung zur Pflegefachassistenz. Sie soll die bisherige 12-monatige Ausbildung zum Pflegefachhelfer bzw. zur Pflegefachhelferin ersetzen und stellt viele Ausbildungsstätten vor organisatorische Herausforderungen – insbesondere dann, wenn Ausbildungsgänge nur einmal jährlich starten. Die Mitterfelder Akademie profitiert hier von ihrer Flexibilität: Ausbildungsgänge beginnen sowohl im April als auch im September. Dadurch können Übergangszeiten gut aufgefangen werden. So haben Absolventinnen und Absolventen der 18-monatigen Ausbildung die Möglichkeit, nahtlos in die dreijährige Ausbildung zu wechseln.

Dies ist nur eines von vielen Beispielen dafür, warum Dappa, Kiermaier und Müller von ihrer Schule in Laim so überzeugt sind: die Offenheit für flexible Lösungen. Im April beginnen häufig andere Zielgruppen als im September. Während im Herbst vor allem klassische Schulabgänger starten, sind es im Frühjahr oft Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger oder Rückkehrer nach Auslandsaufenthalten. Auch diese Vielfalt bewusst zu integrieren, ist dem Leitungsteam ein zentrales Anliegen.

„Das Besondere an unserer Schule ist, dass wir uns schon immer mit flexiblen Lösungen und Angeboten auseinandergesetzt haben“, sagt Verena Dappa. „Die Ausbildungsinhalte sind vorgegeben und an allen Schulen ähnlich. Aber die Art, wie wir unsere Schülerinnen und Schüler aufnehmen und begleiten, macht den Unterschied. Bei aller Ernsthaftigkeit des Berufs gehen wir auf die Individualität unserer Lernenden ein – unabhängig von Geschlecht oder Herkunft.“

Sie berichtet von einer Auszubildenden, die verunsichert und verzweifelt zu ihr kam, nachdem sie ungeplant schwanger geworden war und um ihre Ausbildung fürchtete. „In solchen Situationen sind wir als Schulleitung gefragt. Die Auszubildenden sollen spüren: Wir sind für sie da.“ Lösungen für individuelle Lebenslagen zu finden, ist ein zentraler Bestandteil des Selbstverständnisses der Mitterfelder Akademie.

Auch Corinna Müller hebt die besondere Vielfalt der Schule hervor – sowohl unter den Auszubildenden als auch im Kollegium. Unterschiedliche berufliche Hintergründe ergänzen sich hier zu einem bereichernden Ganzen. „Der wertschätzende Umgang miteinander ist etwas ganz Besonderes“, sagt sie. „Das ist auch für unsere Schülerinnen und Schüler wichtig. Sie sollen erleben, dass sie ernst genommen werden und nicht auf Distanz gehalten werden.“

Andreas Kiermaier berichtet, wie er zur Akademie gefunden hat: „Ich war 2024 auf der Suche nach einer neuen Position im Bereich Digitalisierung, Pädagogik und Führung. Schon die Stellenausschreibung hat das besondere Flair des Hauses vermittelt – und dieser Eindruck hat sich absolut bestätigt.“

Ein wertschätzender Umgang steht dabei keineswegs im Widerspruch zu professioneller Leistungsbereitschaft.

Ein weiteres aktuelles Thema ist der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Wie können Ausbildungsstätten damit umgehen, wenn nicht immer klar ist, ob Wissen eigenständig erarbeitet oder mithilfe von KI generiert wurde? Für Andreas Kiermaier ist klar: „Ein Verbot wird nicht funktionieren. Entscheidend ist, wie wir KI sinnvoll in den Lernprozess integrieren.“ KI könne dabei helfen, sich komplexen Themen über Fragen anzunähern, Reflexion anzustoßen und als unterstützendes Werkzeug zu dienen – etwa auch beim Spracherwerb, der für viele Auszubildende eine wichtige Rolle spielt.

Auch hier zeigt sich der Ansatz der Mitterfelder Akademie: nicht mit starren Regeln zu reagieren, sondern mit Offenheit und einem reflektierten Umgang neue Wege zu gehen.

Als das Interview zu Ende geht, sind auf dem Flur fröhliche Stimmen, Lachen und Kichern zu hören. Es ist Mittagspause, und die Schülerinnen und Schüler treffen sich am Tischkicker neben dem Treppenaufgang. Auch das ist ein Beispiel dafür, wie an den Mitterfeldern Gemeinschaft gelebt wird – über den Unterricht hinaus.